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Betty kriegt den Blues in Bergisch Gladbach  Kölner Stadtanzeiger
In ihrem Programm erinnert Sängerin Betty Striewe gelegentlich an die große NinaSimone
HANS-WILLI HERMANS Wenn Betty Striewe den Blues hat, dann wird ́s schwarz, richtig schwarz. So, alswäre der letzte Absturz einer zu viel gewesen. Dann nimmt sie all die Klassiker, "God bless the Child", "Cry mea River", "Lady sings the Blues", führt uns kurz ihre Schönheit mit opernhaftem Mezzosopran vor, um sie gleichdarauf ironisch-sarkastisch mit Krächzen, Keifen oder banalster Sprechstimme auf den Boden zurückzuholen.
Und wenn in "Round Midnight" von herzzerreißender Einsamkeit die Rede ist:, "eigentlich säße man lieber mit einem Buch zu Hause - wenn da nichtdiese Sehnsucht wäre." An Katharsis, an eine reinigende Wirkung also, die vom erhabenen Leid in der Kunst ausgehen soll, glaubt die Sängerin schon lange nicht mehr.

In ihrem Programm "Betty Goes Blues", mit dem sieim Ehrenfelder Loft gastierte, unterläuft sie ständig die düstere, zuweilen wollüstige Melancholie der Songs , verfremdet sie auf geradezu Brechtsche Weise. Was ist schon von der Dame zu halten, die ihren Mann in "My Man" so abgöttisch liebt, dass sie sich von ihm schlagen lässt und schluchzend akzeptiert, dass er noch drei andere "Girls" hat: "Da geh ́ ich doch lieber ins Frauenhaus", bemerkt Betty Striewe kurz und lakonisch.
Zuweilen wird ́s richtig fies, wenn sie in "My Heart belongs to Daddy" Inzest-Anspielungen einfließen lässt. Bei"Try a little harder" plaudert sie über ihre Pläne, ein paar Kilo abzunehmen. Ulrich Kisters am Piano undThomas Falke am Kontrabass unterlegen den zwischen so gegensätzlichen Gefühlslagen hin- und herlavierendenGesang mit meist warmen, einfühlsamen Jazz-Klängen. In den wirklich beißenden, unerbittlichen Momenten
weckt das durchaus Erinnerungen an die große Nina Simone. Und witzig ist dieses Elend auch: "People arestrange" klagt Betty Striewe und denkt laut nach: "Vielleicht zieh ́ ich ja bald nach Bergisch Gladbach."